Hülsmann Brauerei


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Brauhaus Crange

Brauen in Herne

Brauhaus Crange


Die Altvorderen in Crange lebten unter anderem, von Brot und von Bier. Denn Bier galt als Nahrungsmittel. So selbstverständlich, wie man sein Brot backte, wurde auch gebraut. Bei Grimms Märchen kann man dies nachlesen. Rumpelstilzchen hüpft auf einem Bein um das Feuer und singt: "Heute back ich, morgen brau ich..."

Der Begriff Altvorderen stammt aus dem Mittelhochdeutschen und umschreibt allgemein die Vorfahren, also diejenigen, die zeitlich "vor den noch lebenden Alten" existierten.

Beides, backen wie brauen, war Angelegenheit der Frauen. Der Sudkessel gehörte zur Mitgift. In den westfälischen Dörfern war das noch bis ins 18. Jahrhundert so.

Laut der Feuerstättenliste waren im Jahre 1664 folgende Braukessel vorhanden:

Haus Crange, Steffen Schönberg, einen stillstehender Kessel.
Cordt vor der Porte, ein stehender Kessel mit Brauhaus und Malzesse.
Berndt Brockhoff, ein stehender Kessel und Brauhaus.
Desweitern stand auf den Horsthöfen in Bickern ein Braukessel. Hier ist ein Jasper op den Horsthoven genannt.
In Röhlinghausen, das zu dieser Zeit zu Hordel zählte, ist der Name Stembergh vermerkt.
In Eickel befanden sich vier Braukessel, bei Mummenhoff, Middeldorf, Aschebrock und bei Stimbeck (Bönninghausen).


Es kam die Zeit, in dem in Crange das Brauen und Brotbacken in Privathäusern verboten wurde, weil die Gefahr bestand, dass die eine oder andere Frau das Feuer unter dem Sudkessel vergessen würde. Denn die Häuser waren aus Holz gebaut und man hatte Angst, dass das Dorf Crange abbrennen könne. So baute man ein steinernes Brauhaus, in den man nach einer festgelegten Reihenfolge, gegen eine Gebühr brauen konnte.

Gemeinde Karte von Crange aus dem Jahre 1824.

Das ehemalige Brauhaus von Crange,
es fiel Anfang Oktober 1967 der Spitzhacke zum Opfer.

Die Altvorderen im heutigen Stadtteil Crange brauten um in den Sommermonaten für sich und ihre Knechte einen kühlen Trunk zu haben. Gebraut wurde ausschließlich für den Eigenbedarf. Auf Haus Crange und in manchem Cranger Hof wurde das Erntebier gebraut. Der Trunk wurde bei Hochzeiten, Kindstaufen nach Beerdigungen und zu festlichen Anlässen getrunken.

Das Erntebier ist dünn, mit relativ niedrigem Alkoholgehalt etwa 2 bis 3 Volum % Alkohol, selten stärker. Es ist als ein saisonales Gebräu der Landwirte, dass zum Mittag auf den Feldern bei der Ernte getrunken wurde. Es war üblich, dass die Bauern ein Steingutkrug voll Erntebier zur Feldarbeit mitnahmen. Mehrere Brauereien, vor allem in Bayern, brauen es heute noch. Ein typisches Erntebier ist sehr mild und nur mäßig schäumend und hat eine sehr blasse Farbe.

Das ehemalige Brauhaus von Crange wurde Anfang Oktober 1967 abgebrochen. Das Haus lag 50 Meter östlich von Haus Crange. Nach Freizug des Gebäudes durch die letzte Bewohnerin verwüstete die Jugend das Objekt. Bald waren sämtliche Fenster, Türen und das Dach zertrümmert. Das ehemalige Brauhaus war zu einer unansehnlichen Ruine herabgesunken.

Das kleine Haus hatte im Erdgeschoß nur zwei Räume und war mit einer Art Walmdach versehen. Es lag eingeengt von einer hohen Mauer umgeben und man sah es ihm nicht an, dass hier einst der Cranger Gerstensaft gebraut wurde.

An der Ostseite war in etwa zwei Meter Höhe in der Ziegelwand eine Sandsteinplatte eingefügt. Diese Tafel, eine 300 Jahre alte Steinmetzarbeit wurde rechtzeitig sichergestellt und befindet sich heute im Heimatmuseum an der Unser Fritz Straße. Die Tafel zeigt rechts das Eickeler und links das Wappen des Hauses von Rump, darunter die Schrift: RVMP + EICKELL. Im oberen schmückenden Beiwerk, steht die Jahreszahl 1647.

Zweiteilige Wappenkartusche von 1647.


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Quellennachweis: Der Emscherbrücher 1/ 1969, S. 14 ff.

Fotonachweis: Heinrich Lührig.


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